….. mehr von der Eiche

Ausschnitt aus meinem unveröffentlichten Buch von 1999:

Buchtitel

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Ich führe dich zu meinem Lieblingsbaum. Kommst du mit?

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https://frauenseele.wordpress.com/2015/07/08/baumbegegnung/

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Das ist meine Baumgeschichte! Jeder Baum wurde mir dadurch zum Freund.

Das Eigenartige ist, dass ich die alte Eiche noch gar nicht kannte, als mir die Geschichte einfiel. Es war nur die Sehnsucht danach in mir.

Ja mehr noch!

Diese Geschichte hatte ich verloren – verlegt – als mein Leben mich mit einer langen Krise einholte. Es könnte fast so sein, dass ich erst ein Licht geschenkt bekam, um dann die Dunkelheit in mir besser auszuhalten. Doch leider war mein Glaube an mich damals viel zu klein.

Als die Finsternis über mich hereinbrach, ich den Boden unter den Füßen verlor, ich immer tiefer in das Grab einer Depression rutschte, hatten Selbstzweifel und Resignation diese Geschichte verschluckt.

Wie vielen Frauen mag es ähnlich gehen, dass ihre Hormone durch das Abstillen verrückt spielen? Oder während der Schwangerschaft, nach einer Geburt? All die Freude auf ein Kind verlischt, wenn du dich selbst verlierst.

Es gibt viele Gründe warum Frauen und Männer diesen schwarzen Trauermantel umgelegt bekommen. In unserer modernen Leistungsgesellschaft mehr denn je. Keine Psychopharmaka-Gabe alleine, hilft aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen. Für manche mag es ein Segen sein, Erleichterung darin zu finden, denn bist du erst einmal antriebslos in dir verstrickt, dann ist der Ausgang noch schwerer zu entdecken. Mir half die chemische Unterstützung nichts. Im Gegenteil! Ich bekam solche Magenschmerzen, dass ich nach einer Woche diesen Weg für mich als beendet sah.

Mit Laufen und Gesprächen versuchte ich gegen zu steuern, das wieder zu finden, was ich verloren hatte: Mein bisschen Leben, den Glanz in meinen Augen, mein Lachen.

Lange Wochen vergingen in völlig zeitlosem Zustand. Jeder Tag war eine Ewigkeit angefüllt mit Leere und Traurigkeit.

Was es doch für Abgründe in eines Menschen Herz gibt!

Erst die Aussicht auf die Rückkehr in mein Berufsleben, die Begegnungen mit Menschen außer Haus, halfen mir ins Leben zurück. Ich hatte entdeckt, dass Hausfrau- und Muttersein mich alleine nicht ausfüllen, dass ich das Tor nach draußen brauche. Umso mehr war ich der Arbeit in meinem Leben dankbar. Ein neuer Wert lag nun in ihr für mich.

Eine Aufgabe haben bedeutet, am Energiefluss des Lebens angeschlossen zu sein!

So machte ich die Erfahrung, dass der Durchgang durch eine Krise, Vertiefung des Lebensgefühls, einen dankbareren Blick und mehr Verständnis für andere wachsen lässt.

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KRISEN SIND TORE IN NEUE WEITEN!

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Als sich die nächste Krise anbahnte – meine Ehe begann zu bröckeln – begegnete ich 1993 auf einer Radtour der Wolfgangseiche. Sofort war sie wieder da, die Erinnerung an die Geschichte, die ich zwei Jahre verdrängt hatte. Ich war mit dem Fotoapparat unterwegs und schoss Bilder von diesem Naturdenkmal, das dort seit 1200 Jahren steht (sagt eine Anzeigetafel). Die Idee war geboren, meine Geschichte zu illustrieren, meinen Baum darin zu ehren.

Aber, wo war das Blatt auf dem ich sie niedergeschrieben hatte?

Ich suchte zuhause und fand es nicht.

In all den unruhigen Nächten, in denen mich die Frage nach Trennung von meiner mir zu eng gewordenen Ehesituation bewegte, erwachte ich mit der Erinnerung an ein Traumbild. Ich SAH genau, wo sich meine Geschichte befand. Gegen 3 Uhr morgens stand ich auf, ging ins Arbeitszimmer meines Mannes und fand in seinem Schreibtisch, in dem ich ein Fach besaß, ganz hinten versteckt, verknittert, das langersehnte Stück Papier.

Mein Traum hatte mir den Weg gezeigt! Ich war so dankbar für dieses kleine Wunder!

Es machte mir Mut, dass so mancher Ausweg, den ich noch nicht sehen konnte, vielleicht ähnlichen Zugang zu mir finden würde.

Als ich den Wortlaut meiner Baumgeschichte erstmalig wieder in mich aufsog, kamen mir die Tränen. Was hatte ich damals geschrieben!? Hatte mein Innerstes gewusst, welche Zeit mir bevorstand und mir zugetraut, dass ich es schaffen würde daran zu wachsen und nicht zu zerbrechen?

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Du merkst, es liegt etwas Geheimnisvolles über dem Pfad meiner Geschichte.

In jeder Einzelnen wirken Kräfte mit, die mein Leben durchdringen, ist eine höhere Intelligenz spürbar, die auf seelischer Ebene funkt. Erst im Laufe der Jahre wird mir das bewusst. Das ist auch ein Grund, warum ich auf dich zugegangen bin, um dir von den Geheimnissen meines Lebens zu erzählen.

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In jedem Menschenleben gibt es Berührungsmomente mit der Allmacht des Universums. Du spürst dein Hineingewobensein in ein großes Ganzes. Es ist nur eine Ahnung! Doch für diesen Augenblick bist du dir sicher, dass du bei allem, was du erlebt hast und dein Weg noch für dich bereithält, in der Hand eines Größeren ruhst.

Ergriffen hältst du inne und merkst, es ist wahr, was schon viele weise Menschen vor dir beschrieben haben. Jetzt hast du es selbst erlebt.

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copyright by Heidrun

9 Gedanken zu “….. mehr von der Eiche

  1. Wie wunderschön diese Baumgeschichte ist, liebe Heidrun. „Du musst in die Tiefe gehen um zu wachsen.“ … sie hat recht, diese weise alte Eiche. Dort , in der Tiefe, finden wir die Quelle.

    Ganz lieben Dank für deinen Hinweis auf dein Buch 🙂

    ❤ Grüsse und einen wunderschönen Tag wünsche ich dir,
    Christel

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  2. „…..mehr von der Eiche… “

    Wie schön, dass ich diesen Text gerade heute entdeckt habe!

    Danke, liebe Heidrun, für den sensiblen Einblick in dein Leben…

    Auch das Märchen von der Eiche konnte ich heute abend erst in Ruhe lesen.
    Ein wunderbares Gleichnis zu unserem Leben, in dem es so manches Mal drunter und drüber geht –
    im wahrsten Sinne des Wortes. – …..es ist unsagbar befreiend, wenn man endlich, durch Schmerz und Leid, in den Tiefen seine Wurzeln findet und es schafft, das „Wasser des Lebens“ mit ihnen zu erreichen!

    Aus der Ferne sende ich dir Österliche Grüße,

    Gabi

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